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Pensionswirt, Taxifahrer und Tourenführer im Nebenberuf – Kurt Mihms Zielgruppe sind Aktivurlauber

 Nicht etwa vor der Prismen-Wand am Gangolfsberg ist diese Aufnahme entstanden, sondern vor der Foto-Tapete im Treppenhaus der Pension von Kurt und Silvia Mihm im Tanner Stadtteil Schlitzenhausen.  / Fotos: Limpert


Nicht etwa vor der Prismen-Wand am Gangolfsberg ist diese Aufnahme entstanden, sondern vor der Foto-Tapete im Treppenhaus der Pension von Kurt und Silvia Mihm im Tanner Stadtteil Schlitzenhausen. / Fotos: Limpert

Tann. „Soll es wirklich das große Schnitzel sein, das Besucher in die Rhön zieht?“, fragt Kurt Mihm provokativ. Der 54-Jährige trägt als Betriebstechnikleiter Verantwortung für das Werk eines Automobil-Zulieferers in Eisenach; zusätzlich baut er sich mit dem Unternehmen „Hochrhön-Touren“ in seinem Elternhaus im Tanner Stadtteil Schlitzenhausen ein zweites Standbein auf.

Die Pension der Eltern hat er in den vergangenen vier Jahren gemeinsam mit seiner Frau Silvia – größtenteils eigenhändig – renoviert. Ansprechend ist nicht nur die Verbindung moderner mit nostalgischen Elementen in den zehn Zimmern, dem Aufenthalts- und dem Empfangsraum; ihm schwebt vor, das Gebäude zu einer „Leinwand“ für die Rhön zu machen. Stolz zeigt er seine „Rhöngalerie“: großformatige Bilder des Eckweisbacher Fotografen Christian Reinhardt, auf denen atemberaubend schöne Naturmomente festgehalten sind. So wird der Gang durch das Treppenhaus zu einer Mini-Wanderung entlang einer originalgroßen Eis-Kaskade an der Milseburg und der Prismen-Wand am Gangolfsberg.

Als junger Mann einst der dörflichen Enge entflohen, sieht Mihm mittlerweile in seiner Heimat vor allem das Land der offenen Fernen. „Vom Rhön-Saulus zum Rhön-Paulus“ beschreibt er selbst diesen Wandel, der durch eine Erkrankung ausgelöst worden sei. Das Mountainbiken in der Rhön habe ihn genesen lassen.

Die Begeisterung für die einzigartige Landschaft möchte er weitergeben: „Ich verkaufe Emotionen und die Botschaft, dass Aktivitäten in der Rhön die Gesundheit stärken“, sagt Mihm.. Vor acht Jahren begann er damit, geführte Mountainbike-Touren anzubieten: unterschiedliche Strecken für Einsteiger, Genuss-Biker und Erfahrene zu den schönsten Plätzen der Rhön (www.MTB-Rhoen.de). Die Nachfrage sei allerdings zurückgegangen zugunsten von Wandertouren auf dem Hochrhöner oder dem Milseburgweg, die er ebenfalls individuell zusammenstellt.

„In diesem Monat habe ich eine Gruppe mit acht Frauen aus ganz Deutschland zu Gast, die einen zentralen Treffpunkt gesucht hatten. Sie haben das Paket ‘Lauf, so weit du kannst‘ gebucht“, erzählt der Tanner. An acht Tagen laufen sie Etappen des Hochrhöners, lassen sich abends von ihrem Gastgeber abholen, übernachten in der Pension der Mihms und werden am nächsten Tag zum jeweiligen Ausgangspunkt zurückgefahren.

Für diesen Shuttle-Service hat der Vater zweier erwachsener Söhne 2006 einen Mietwagenbetrieb gegründet. Auch Gepäck- und Flughafentransfer sowie künftig Krankenfahrten bietet das erste Rhöner Taxi-Unternehmen an. Da er – wie auch bei der neuen Holzpellet-Heizung – Wert auf Umweltfreundlichkeit legt, fährt Mihm neben seinem Diesel-Kleinbus einen erdgasbetriebenen Touran. Er plant, zwei Fahrer einzustellen.

Im Winter gehören Schneeschuhwanderungen und Husky-Touren zu seinem Programm. Sogar eigene Marketing-Produkte hat er entworfen: T-Shirt und Fahrradklingel mit einem Rhöner „Kampfschaf“ als Ergänzung zur im Vergleich bieder wirkenden „Rhönhilde“.

Jemand, der soviel Geld, Kreativität und Zeit investiert, „um die Rhön voranzubringen“, hat wenig Verständnis dafür, wenn bei der Werbung im Tourismusbereich „gekleckert statt geklotzt“ werde. Mihm hofft, dass die bürokratischen Strukturen von drei Ländern, fünf Landkreisen und im Ulstertal drei Gemeinden in den kommenden Jahren durch eine gemeinsame effiziente Vermarktung der Rhön ersetzt werden. „Wir müssen an einem Strang ziehen statt uns als Konkurrenz zu sehen“, fordert er.

Der Visionär, der sich vom Teamgeist des Apple-Begründers Steve Jobs beeindruckt zeigt, betätigt sich auch selbst als Netzwerker. Auf seiner ausführlichen Homepage stellt Mihm nicht nur seine Pension und seine Touren vor, sondern in Video-Beiträgen ebenfalls seine Partner wie das Tanner Café Fabula, die Gaststätte „Lämmchen“ oder Jürgen Krenzers „Kernhaus“ in Seiferts. Die Seite soll „Lust auf Rhön“ machen. Und wer sich von den Bildern hat locken lassen, wird sicherlich nicht enttäuscht. So führt Kurt Mihm Betrachter der Foto-Galerie mit den Worten „Jetzt kommt das Beste“ zuletzt auf den Balkon, um die herrliche Aussicht auf die Rhöner Berge in natura zu zeigen. www.hochrhoen-touren.de,www.hochrhoen-touren.tv

Info

In loser Reihenfolge sollen auf den „Kreisseiten“ Fremdenverkehrsbetriebe vorgestellt werden, die ihren Feriengästen Außergewöhnliches bieten. Vielleicht sind für den einen oder anderen auch interessante Anregungen dabei. Den Anfang macht das Unternehmen „Hochrhön-Touren“ in Schlitzenhausen.



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