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Schulbesuche als Feuerprobe: Ganz Kisii County interessiert sich für das Fulda-Mosocho-Projekt zum Schutz von Mädchen vor Genitalverstümmelung

Nach den Herbstferien bestimmt die Schule wieder den Alltag in vielen Familien. Auch das deutsch-kenianische Team des Fulda-Mosocho-Projektes verbringt aktuell viel Zeit in den Schulen von Mosochos Nachbarregionen Kisii South und Marani. Es befasst sich allerdings nicht mit Zahlen und Buchstaben, sondern mit den Sorgen und Nöten von Eltern, die trotz gesetzlichem Verbot unter dem gesellschaftlichen Druck stehen, ihre Tochter beschneiden zu lassen.

Weltweit sind über 200 Millionen Frauen und Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) betroffen und die internationale Staatengemeinschaft steht dieser massenhaften Menschenrechtsverletzung hilflos gegenüber. Eine erfreuliche Ausnahme stellt der Wandel dar, der sich innerhalb der Ethnie der Kisii in Kenia, wo das Ritual seit Jahrtausenden verwurzelt war, vollzogen hat: Ausgehend von Mosocho, wo der Fuldaer Verein „Lebendige Kommunikation“ (LebKom) und das Forschungs- und Praxisinstitut Center for Profs sich im Fulda-Mosocho-Projekt (FMP) kontinuierlich für ein Ende von FGM engagiert und dieses auch nachhaltig erreicht haben, breitet sich die Nachfrage nach einer Zusammenarbeit mit dem FMP immer weiter aus.

Das FMP arbeitet mit Schulungen und Workshops, die auf dem Wert-Zentrierten Ansatz (WZA) basieren. Dabei handelt es sich um eine von der Fuldaer Professorin Muthgard Hinkelmann-Toewe entwickelte wissenschaftliche Strategie, mit der auf Augenhöhe mit den teilnehmenden Männern und Frauen ein Bewusstsein für den gleichen Wert eines jeden Menschen und somit für die Gleichstellung der Geschlechter erarbeitet wird.

Der Erfolg des FMP hat sich wie ein Lauffeuer in den Nachbarregionen Mosochos herumgesprochen. Im August des vergangenen Jahres bot sich für die LebKom-Fachkraft Kerstin Hesse die Chance, gemeinsam mit ihren kenianischen Kolleginnen und Kollegen das Projekt einer Versammlung von 350 Amtsträgern (vergleichbar mit Landräten und Bürgermeistern) des Kisii County vorzustellen. Am Ende stand die an das FMP-Team gerichtete offizielle Bitte des County Commissioners, die Arbeit auf ganz Kisii County (mit einer Fläche wie der Regierungsbezirk Kassel) auszuweiten. „Diese Nachfrage nach Schulungen für einen gesellschaftlichen Wandel ist etwas spektakulär Neues in der herkömmlichen Entwicklungszusammenarbeit“, betont Hesse.

Neben Mosocho ist das FMP bereits in zwei weiteren der insgesamt elf Bezirke des Countys präsent: mit je einer Anlaufstelle und mehr als 200 geschulten ehrenamtlich engagierten Multiplikatoren, die als erstes ihre eigenen Kinder und die aus ihrem Umfeld durch Überzeugungsarbeit vor der Verstümmelung und ihren lebenslangen Folgen bewahren konnten. 60 von ihnen lassen sich zurzeit vertiefend im Wert-zentrierten Ansatz ausbilden, weil sie sich aus ganzem Herzen für ein Ende von FGM starkmachen wollen. Die erste Feuerprobe haben die „Neuen“ hinter sich: Als Teil des deutsch-kenianischen Projektteams sprachen sie erstmals in Schulen öffentlich vor Eltern und Lehrkräften über FGM. Zahlreiche weitere Termine stehen in den kommenden Monaten an.

Dem vorausgegangen war eine Einladung des Schulamtsleiters von Kisii South zu einem Treffen mit rund hundert Schulleitern, wo das FMP-Team seine Arbeit präsentiert und angeboten hatte, die interessierte Schulen zu besuchen. „Nutzt diese Chance“, hatte der Schulamtsleiter die Anwesenden aufgefordert. Nach den ersten acht Terminen hat sich das Lampenfieber im Team etwas gelegt: „Wir sind auf durchweg positive Resonanz gestoßen“, berichtet Kerstin Hesse. „Die meisten Lehrkräfte und Eltern nahmen die Chance, sich über das Tabuthema Beschneidung auszutauschen, intensiv wahr.“ Auch die Schulleitungen sahen sich ermutigt, sich in ihren Einrichtungen zum Schutz von Mädchen zu engagieren, „und zwar am besten gemeinsam mit den versierten Kräften aus Mosocho“, so deren Bitte.

Allerdings sehen die Regularien in der Entwicklungspolitik kein Budget für einen Wissenstransfer vor, sodass der Verein LebKom über die Unterstützung der „ALTERN AID STIFTUNG für Menschen in Not“ , die beispielsweise die Ehrenamtlichen-Ausbildungen mitfinanzierte, dankbar ist. Des Weiteren ist LebKom für sein Engagement in Afrika dringend auf Spenden angewiesen. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage www.fulda-mosocho-project.com.



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