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Halbzeit im Rathaus: Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller ist seit genau drei Jahren im Amt

Die Bilanz des 38-Jährigen fällt positiv aus: Etliche Projekte haben Möller und sein Team angestoßen. Zeit zum Ausruhen bleibt aber nicht: „Es gibt noch unglaublich viel zu tun“, betont der Rathauschef.

Seit Oktober 2016 ist Matthias Möller (parteilos) Bürgermeister von Schlüchtern. In dieser Zeit hat der Rathauschef etliche Projekte angestoßen und teilweise schon abgeschlossen: die Modernisierung der Stadthalle, der Neubau des Modulanlage-Kindergartens „Zwergenwiese“, der Erhalt und Neubau des Kindergartens in Gundhelm, die Schaffung neuer Baugebiete oder der Neubau der Brücke über die Kinzig. Auch wurde die Ortsdurchfahrt Gundhelm grundhaft erneuert.

Der Ankauf und die Entwicklung des Langer-Areals geht 2020 in seine heiße Phase. Möller: „Wir sehen es als unsere Pflicht, das Gelände zu einem Frequenzbringer für die Innenstadt zu entwickeln. Deshalb mussten wir das Areal kaufen. Im Jahr 2020 soll nun der Abriss beginnen.“ Auf dem Areal sind zwei Gebäude geplant — einmal ein Kultur- und Begegnungszentrum, einmal ein Bereich für Handel und Wohnen.

Ersterer soll in den Händen der Stadt bleiben und Platz bieten für eine viergruppige Kindertagesstätte inklusive Krippe und Sprach-Kita, das Jugendzentrum „Check in“, ein Familienzentrum, die Weitzelbücherei, die Europaakademie, eine in Hessen einzigartige Kindererlebniswelt, Räumlichkeiten für den Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), Kunst und Kultur, den Bildungspartner Main-Kinzig sowie einen multifunktionalen Veranstaltungsraum.

Der Bereich für Handel und Wohnen soll von einem Investor verwirklicht werden. Zusätzlich könnten zu dem aktuellen Handel ein Lebensmittelmarkt, dringend benötigte Einkaufsmöglichkeiten zum Freizeitbedarf, Textilien, Schuhe und Schreibwaren angesiedelt werden. Möller macht außerdem deutlich, dass in diesem Bereich auch neue Wohnungen entstehen sollen: „Wir wollen und müssen auf dem Areal bezahlbaren und vor allem barrierefreien Wohnraum für Senioren schaffen.“

Generell ist dem Bürgermeister die Zusammenarbeit mit Investoren und regionalen Unternehmen sehr wichtig, zu nennen wären neben der Entwicklung des Langer-Areals unter anderen das Mehrgenerationenprojekt in der Krämerstraße, die Begleitung der Ansiedlung von Engelbert Strauss am Distelrasen, der Neubau der Sparkasse, die Entwicklung des ehemaligen Knothe-Areals, der Erweiterungsbau der Main-Kinzig-Kliniken und die Neuplanung des Norma-Geländes.

Warum aber stürzt sich die Stadt auf so viele Projekte? Immerhin werden derzeit insgesamt mehr als 30 Stück beackert. Möller: „Fakt ist: Wir haben einen Investitionsstau. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als die ganzen Projekte anzugehen.“ Warum aber alle auf einmal und nicht nach und nach? „Die Fördergelder sind jetzt da und können auch nur jetzt abgerufen werden. Irgendwie muss das alles ja auch finanziert werden. Wenn wir dafür nicht Fördermittel an Land ziehen, dann müssen es in letzter Konsequenz die Stadt und die Schlüchterner Bürgerinnen und Bürger bezahlen. Das wollen wir nicht. Deshalb strecken wir uns in der Verwaltung nach Kräften, um alle Projekte parallel zu beackern.“

Für die Entwicklung des Langer-Areals zum Beispiel hat die Stadtverwaltung fast neun Millionen Euro an Fördergeldern rein geholt — Rekord für eine Stadt wie Schlüchtern. „Für das Schwimmbad konnten wir eine Million Euro an Förderungen generieren werden“, sagt Möller.

Und seit 2019 ist Schlüchtern außerdem mit all seinen zwölf Stadtteilen im Dorferneuerungsprogramm— das verspricht etliche Millionen an Fördermitteln für zum Beispiel Feuerwehrgeräte- und Dorfgemeinschaftshäuser, Kinderspiel- und Dorfplätze sowie auch private Bauvorhaben. „Das birgt ein enormes Potenzial für uns“, sagt Möller. „Wir haben die einmalige Chance, unsere Stadt und ihre Stadtteile ganzheitlich und konzeptionell zu entwickeln — und bekommen das Ganze auch noch gefördert. Das müssen wir unbedingt nutzen.“

Zeit zum Verschnaufen bleibt da freilich nicht. In diesem Zusammenhang ist Möller seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus enorm dankbar. Das Team, das Möller in der Stadtverwaltung hinter sich weiß, beeindruckt den Chef immer wieder. „Das Engagement bei allen ist riesig. Da werden sogar private Opfer gebracht. Das ist etwas Besonderes, und das weiß ich sehr zu schätzen. Ich bin glücklich, eine so qualifizierte und motivierte Mannschaft zu haben.“ Möller sagt: „Ich bin teilweise sehr fordernd, das weiß ich.“ Das gefalle natürlich nicht jedem in der Verwaltung. Für Möller ist das teilweise auch nachvollziehbar. Er findet: „Das politische Geschäft und die damit verbundenen Anforderungen werden immer anspruchsvoller.“ Daher sei es umso erstaunlicher, dass das Team neben dem Tagesgeschäft viele Projekte mit Begeisterung begleitet, die nicht originäre Aufgabe einer Stadtverwaltung sind. Aber: „Wir können uns keine Pausen erlauben. Wir können nicht langsamer machen. Wir haben einfach noch so viel zu erledigen.“ Klar ist jedoch auch: „Projekte brauchen Zeit. Wir müssen mit gesundem Menschenverstand an die Maßnahmen herangehen. Und das werden wir auch tun.“

Hervorheben möchte Möller auch die harmonische Zusammenarbeit mit dem Magistrat den Stadtverordneten, allen Ortsbeiräten und den vielen Vereinen, die „alle im Sinne einer positiven Entwicklung Schlüchterns handeln, und zwar jeder Einzelne mit viel Einsatz und Herzblut“. Selbstverständlich gebe es bei der Vielzahl an Projekten und Themen auch Meinungsverschiedenheiten, doch Möller betont: „Die Debatten werden stets konstruktiv und wertschätzend geführt. Es geht immer um die Sache, nicht um persönliche Befindlichkeiten.“

Sein Kerngeschäft vernachlässigt der 38-Jährige dabei nicht. Möller sieht das Rathaus nach wie vor als ein Dienstleistungszentrum für die Bürgerinnen und Bürger. Nach dieser Prämisse möchte der Bürgermeister die Verwaltung weiter umbauen. „Dieser Prozess ist in vollem Gange und wird noch eine Weile andauern.“ Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Einführung eines Ortsbeiratsbudgets sowie des Ortsbeiratssteuerungsinstruments OSI zur Vereinfachung der Kommunikation. Außerdem wurde der Bauhof modernisiert und mit neuen Fahrzeugen und Geräten ausgestattet. Eine Pressestelle wurde ebenfalls installiert.

Und auch die Zahlen stimmen: Der Haushalt war seit Amtsantritt Möllers stets positiv. In den Jahren 2016 bis 2018 schrieb die Stadt schwarze Zahlen. Auch 2019 werden die Zahlen wieder stimmen. Die aktuelle Hochrechnung prognostiziert ein sattes Plus mit mehr als einer Million Euro Überschuss. Doch nicht nur das: Sogar die Kassenkredite wurden in 2018 vollständig abgebaut, ohne dass dabei die Steuern erhöht werden müssen. Insgesamt 13,7 Millionen Euro an Schulden hat die Stadt Schlüchtern getilgt. Möller und Co. konnten auch dafür Fördergelder in Millionenhöhe beim Land Hessen über das Entschuldungsprogramm „Hessenkasse“ locker machen, in Summe immerhin fast sieben Millionen Euro.

„Finanzielle Stabilität ist unser Fundament“, betont der Bürgermeister. „Wir wollen gesund wirtschaften und wachsen. Das halte ich für sehr, sehr wichtig.“ Möller ist als Mann aus der Wirtschaft ein Zahlenmensch. „Das kann ich auch nicht ausschalten. Die müssen immer stimmen.“ Deshalb arbeite Möller auch im Tagesgeschäft mit. „Da möchte ich mich gar nicht raus nehmen, denn so bleibe ich immer nah dran und weiß, was gerade passiert. Und Verwaltungskosten werden dadurch auch noch eingespart.“

Für die zweite Hälfte seiner Amtsperiode hat Möller konkrete Pläne: „Ich möchte die angefangenen Projekte konsequent weiterentwickeln und natürlich erfolgreich zum Abschluss bringen.“ Der Bürgermeister betont: „Schlüchtern ist Mittelzentrum mit Versorgungsfunktion für die umliegenden Gemeinden. Diese Sonderstellung zwischen den beiden Ballungsgebieten Rhein-Main und Fulda nehmen wir sehr ernst.“ Deshalb gelte es, die Attraktivität Schlüchterns für Familien und Berufstätige konstant zu erhöhen.

Wichtig ist Möller auch die Vereins- und Kulturarbeit. „Wir haben 180 Vereine in Schlüchtern. Diese Vielfalt macht unsere Stadt so bunt und abwechslungsreich. Wir wollen dahin kommen, dass unser Rathaus zentraler Dreh- und Angelpunkt der Vereins- und Kulturarbeit wird.“

Die E-Mobilität möchte der Bürgermeister ebenfalls weiter ausbauen. „Wir haben bereits zehn Ladepunkte aufgestellt. Es sollen noch weitere dazu kommen.“ Außerdem stellt die Stadt selbst zwei E-Autos zur Verfügung. Diese kann man sich ganz einfach per App leihen und damit Stadt und Umland erkunden. „Mit dem Carsharing wollen wir den Wandel der Mobilität aktiv begleiten“, sagt Möller.

Die Kommunikation sei dabei stets der Schlüssel zum Erfolg. „Wir legen viel Wert auf Transparenz und Bürgerinformation“, betont Möller und zitiert den ehemaligen Politiker Wolfgang Bosbach, der sich jüngst in das Goldene Buch der Stadt Schlüchtern eingetragen hat: „Wir sollten Bürgerinnen und Bürger nicht belehren, sondern informieren und erklären. Und ganz wichtig: nicht enttäuschen!“ Das sei auch das Credo der Schlüchterner Stadtverwaltung. Die Veranstaltung „Frag doch mal die Stadt“ ist ein gutes Exempel dafür.

Und noch etwas hat sich der 38-Jährige auf die Fahne geschrieben: „Auch an mir persönlich möchte ich noch vieles verbessern. Ich bin ein Mensch, der immer mit vollem Ehrgeiz und Elan an eine Sache herangeht. Das bedeutet natürlich, dass ich sehr viel arbeite. 70- bis 80-Stundenwochen sind die Regel. Das ist kräftezehrend, und darunter leiden meine Familie und mein Privatleben.“ Das sei eine große Herausforderung, gerade mit einer jungen Familie und dem Hausbau in Schlüchtern. „Ich bin meiner Frau und unserem familiären Umfeld extrem dankbar, dass sie dafür Verständnis haben und mich sogar noch unterstützen, damit ich diese tägliche Herausforderung meistern kann.“ Mit seinem Job als Bürgermeister ist Möller sehr glücklich. Eine erneute Kandidatur in drei Jahren schließt er deshalb nicht aus.

Abschließend formuliert Möller: „Wir haben in der ersten Hälfte sehr viele Dinge angestoßen. Das gilt es in der zweiten Hälfte möglichst alles abzuschließen. Und das geht auf keinen Fall alleine. Deshalb ist es mir für die zweite Amtshälfte wichtig, dass sich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus wohlfühlen und ich ihnen die Wertschätzung entgegenbringe, die sie verdient haben. Denn nur als Team können wir viel erreichen.“

Projekte und Themen, die in die bisherige Amtszeit Möllers fallen:

• Abbau von Kassenkrediten in Höhe von 13,7 Millionen Euro
• Ankauf des Langer-Areals inklusive der Rekordförderung in Höhe von 8,7 Millionen Euro
• Begleitung der Entwicklung Engelbert Strauß
• Aufnahme der Stadt und sämtlicher Stadtteile ins Dorferneuerungsprogramm Ikek
• Ausbau der E-Mobilität
• Erhalt und Neubau des Kindergartens Gundhelm
• Entwicklung des Helle Marktes mit jährlich wechselndem Leitthema und Symposium
• Verortung der Kleinmarkthalle in Schlüchtern
• Generierung etlicher Fördergelder, unter anderem für das Langer-Areal, für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums und die städtischen Bäder
• Verbleib der Firma Vomberg in Schlüchtern sowie die Ansiedlung zahlreicher Gewerbetreibender
• Entwicklung von zwei Wohnbaugebieten (Brunkenberg und Brückengrund)
• Bau des Modulraumanlage-Kindergartens „Zwergenwiese“
• Positive Haushaltszahlen in den Jahren 2016 (2,8 Millionen Euro), 2017 (1,3 Millionen Euro), 2018 (1,8 Millionen Euro) und 2019 (1 Million Euro)
• Unterstützung beim Mehrgenerationenprojekt in der Krämerstraße mit 30 neuen Wohnungen
• Bau der Brücke über die Kinzig
• Schaffung eines Weihnachtsmarktes
• Initiierung der bundesweit größten Reinigungsaktion „We kehr for Schlüchtern“
• Weiterentwicklung des Straßenmusikfestivals
• Deutliche Steigerung des Bekanntheitsgrades der Stadt Schlüchtern, unter anderem durch die Aktion „Tanne für den Weihnachtsmarkt in Frankfurt“ sowie Auftritte auf der Expo in München und beim Bundesdigitalkongress in Berlin
• Einführung eines Budgets für Ortsbeiräte und des Ortsbeiratssteuerungsinstruments OSI zur besseren Kommunikation
• Ansiedlung des Pflegestützpunktes MKK in der Krämerstraße
• Grundhafte Erneuerung der Ortsdurchfahrt Gundhelm
• Erneuerung der Ortsdurchfahrt Hohenzell
• Modernisierung der Stadthalle sowie des Stadthallenrestaurants
• Erweiterung des Kindergartens „Wiesenzauber“
• Umsiedlung aller Langer-Mieter, insbesondere der Post in der Innenstadt
• Unterstützung beim Projekt „Frohnwiesen“ in Herolz



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