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Wenn das eigene Leben aus dem Ruder läuft: Vom Umgang mit psychisch Kranken

Auf großes Interesse stieß die Lesung der Autorin Christiane Wirtz aus Köln, die ihr Buch „Neben der Spur: Wenn die Psychose die soziale Existenz vernichtet“ im Rokokosaal des Hohhaus Museums in Lauterbach vorstellte. Auf Einladung des Fördervereins Psychiatrie Vogelsberg e. V. berichtete die Journalistin von ihren persönlichen, leidvollen Erfahrungen mit der Diagnose „Schizophrenie“.

Die Vorsitzende des Fördervereins Psychiatrie, Dr. Britta von Molo, nutzte die Begrüßung und Einleitung zur Veranstaltung, um auf das Thema „Psychische Erkrankungen“ in der gesellschaftlichen Wahrnehmung aufmerksam zu machen. „Wir alle sind gefordert, die Einordnung Betroffener in negative Kategorien aufzugeben und unterstützend tätig zu werden“, appellierte von Molo an das Auditorium. Wenn das Stigma von erkrankten Menschen genommen würde, könnten Therapien mit größerem Erfolg durchgeführt werden, zeigte sich die Vorsitzende überzeugt.

Christiane Wirtz ist 34 Jahre alt, als plötzlich die erste Psychose bei ihr auftritt. Die sozialen Konsequenzen dieser Mischung aus Krankheitsfolgen, Unkenntnis und Ablehnung bekommt Christiane Wirtz deutlich zu spüren. Insgesamt fünf schizoaffektive Psychosen erlebt die heute 53-Jährige, von der die letzte sie an den Rand ihrer Existenz bringt. Sie verliert alles: Job, Freunde, Eigentumswohnung und ihre Altersvorsorge. Zweieinhalb Jahre dauerte ihr schwerer Leidensweg zurück in die Normalität, berichtete die Referentin. Doch anstatt sich aufzugeben, nimmt sie ihr Leben selbstbestimmt wieder in die Hand und schreibt ein Buch, das 2018 zum Bestseller wird.

Mit Passagen aus ihrem Erstlingswerk gab Wirtz Einblicke in ihr damaliges irrationales Verhalten, beschrieb die Schwierigkeit behandelnder Ärzte, korrekte Diagnose zu stellen, und erläuterte, welche Hilfe das Schreiben und auch die Lesungen für ihren persönlichen Heilungsprozess bedeuten.

Und auch bei ihren Auftritten in TV-Shows bricht die Autorin eine Lanze für Menschen mit psychischer Erkrankung. „Die Zeit scheint langsam reif zu sein, sich auch medienwirksam eines sehr negativ behafteten Themas anzunehmen“, kommentierte Wirtz Erkenntnisse aus ihrem beruflichen Umfeld.

Die Journalistin, die heute als zertifizierter systemischer Coach Menschen in Krisensituationen unterstützt, stellte in Lauterbach auch ihr neuestes Werk „Das Katzenprinzip: Immer auf den Füßen landen – Sieben Wege aus der psychischen Krise“ vor. Darin widmet sich die 53-Jährige, die Seminare zum Thema gibt, psychotherapeutischen Ansätzen, hinterfragt einige Ansichten des Psychiatriesystems und ermuntert die Leser dazu, an sich selbst zu glauben und auch in scheinbar ausweglosen Situationen eigene Perspektiven und Ziele zu entwickeln.

Mit einer aktiven Diskussionsrunde, bei der die Zuhörer persönliche Fragen stellen konnten, endete die mit viel Applaus für die Referentin bedachte Veranstaltung.



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